Atem ist leben
In den vergangenen Tagen habe ich wieder einmal darüber nachgedacht, wie oft wir Menschen nach Lösungen suchen und dabei etwas übersehen, das uns seit unserer Geburt begleitet. Etwas, das immer da ist, solange wir leben, und das doch so leicht in Vergessenheit gerät.
Unseren Atem.
Wenn das Leben anstrengend wird, wenn Sorgen größer werden, als wir tragen können, wenn Gedanken kreisen und der Körper sich immer mehr zusammenzieht, verändert sich oft auch unser Atem. Er wird flacher, schneller und enger. Fast so, als würde der ganze Organismus vergessen, dass er getragen wird.
Und genau deshalb ist der Atem für mich weit mehr als eine Technik oder eine Methode. Er ist eine Erinnerung. Eine Erinnerung daran, dass Leben durch uns fließt, auch dann, wenn wir gerade nicht wissen, wie es weitergehen soll.
Was mich an der Atemarbeit bis heute fasziniert, ist die Einfachheit.Während wir auf viele Vorgänge unseres Körpers keinen direkten Einfluss haben, können wir unseren Atem bewusst begleiten. Schon eine etwas längere Ausatmung kann dem Nervensystem ein Signal senden, dass dieser Augenblick sicher genug ist, um Spannung loszulassen. Der Herzschlag beginnt sich zu beruhigen, der Körper kommt allmählich aus seiner Alarmbereitschaft heraus und etwas in uns erinnert sich an einen Zustand, den wir vielleicht schon lange nicht mehr gespürt haben: Ruhe.
Nicht die Ruhe, die entsteht, wenn alle Probleme verschwunden sind.
Sondern die Ruhe, die mitten im Leben auftaucht.
Die Ruhe, die bereits da ist und nur wiedergefunden werden möchte.
Vielleicht magst du heute eine kleine Übung ausprobieren, die genau dabei unterstützen kann.
Atemübung
Die 4–8 Atmung
Atme vier Sekunden lang sanft durch die Nase ein und anschließend acht Sekunden lang durch die Nase oder durch leicht geöffnete Lippen wieder aus.
Lass den Atem dabei nicht zu einer Aufgabe werden. Es geht nicht darum, etwas richtig zu machen oder ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Vielmehr darfst du wahrnehmen, wie sich dein Körper anfühlt, während du den Atem begleitest.
Drei Minuten genügen für heute vollkommen. Das entspricht ungefähr fünfzehn bewussten Atemzügen.
Wenn es sich stimmig anfühlt, wiederhole die Übung heute und in den nächsten Tagen drei Mal: am Morgen vor dem ersten Kaffee, am Mittag nach dem Essen und am Abend vor dem Schlafengehen.
Oft sind es nicht die großen Veränderungen, die unser Leben wandeln. Oft beginnt etwas Neues mit einem einzigen bewussten Atemzug, mit einem Moment von Aufmerksamkeit oder mit der Entscheidung, sich selbst wieder zuzuhören. ( p.S ich bin ein großer Fan, von alltagstauglichen Übungen )
Und vielleicht bemerkst du schon nach einigen Tagen, dass etwas weicher wird, dass mehr Raum entsteht oder dass dein Nervensystem ein wenig mehr Vertrauen fasst.
Das nächste Mal erzähle ich dir, wie ich überhaupt mit der Atemarbeit in Berührung gekommen bin und warum sie bis heute ein so wesentlicher Teil meines Weges geblieben ist.
Bis dahin wünsche ich dir viele bewusste Atemzüge und Augenblicke, in denen du dich selbst wieder ein Stück näher kommst.
Und wenn du möchtest, erzähle mir gerne über deine Erfahrung mit dieser Übung.
Von Herzen alles Liebe,
Serpil